So beeinflusst die Pandemie den Workplace

So beeinflusst die Pandemie den Workplace

Wie sich Corona auf die Gestaltung von Arbeitsräumen auswirkt, erklärt ISS Workplace Advisory Elisa Bensimon im Interview.

Elisa Bensimon arbeitet seit 2018 als Workplace Advisory bei ISS. Davor war Sie für Meier Zosso Planungs AG und Mint Architecture tätig. In Ihrem Heimatland Brasilien studierte Elisa Bensimon Interior Design in Rio de Janeiro. Seit 2007 wohnt sie in der Schweiz. Hier absolvierte Sie den Bachelor of Arts in Innenarchitektur an der Hochschule Luzern.

Frau Bensimon, wie arbeiten Sie derzeit?

50 Prozent im Homeoffice, 50 Prozent am ISS Hauptsitz in Zürich-Altstetten. Mein Arbeitgeber bietet mir die nötigen Technologien und Infrastrukturen, um je nach Bedürfnis daheim oder im Büro, allein oder in einer Gruppe, «remote» oder «real» zu arbeiten. Diese Möglichkeiten hat nicht jeder, auch nicht bei ISS. Gebäude lassen sich beispielsweise schlecht von zu Hause aus reinigen.

Sie beraten Kunden in der Organisation und Gestaltung von Arbeitsräumen. Mit welchen Bedürfnissen sind Sie derzeit konfrontiert?

Es geht um die Frage, wie man als Arbeitgeber die Gesundheit der Mitarbeitenden am besten schützen kann, ohne dass dadurch die Arbeit leidet. Zwar entspannt das vermehrte Homeoffice die Lage, weil dadurch die Abstandsregeln einfacher umgesetzt werden können. Dennoch gibt es knifflige Situationen – etwa zu Stosszeiten und an Hotspots wie Aufzügen oder Pausenräumen.

Wie können Sie Ihre Kunden unterstützen?

Wir analysieren die räumliche Situation, messen Belegungsfrequenzen, identifizieren Hotspots. Anschliessend erarbeiten wir mit dem Kunden ein Schutzkonzept und setzen es um. Zum Beispiel signalisieren wir an stark frequentierten Orten wie Gänge oder Restaurants einen Einbahnverkehr, so dass sich die Wege nicht kreuzen. Oder wir schlagen verbindliche Zeitslots vor, an denen die Mitarbeitenden ihre Pausen machen, damit nicht alle um Punkt 12 Uhr im Restaurant sitzen. Und natürlich gestalten wir unendlich viele Informationstafeln und verkleben Bodenmarkierungen – mit 1.5 m Abstand.

Wie wird die Pandemie den Arbeitsplatz der Zukunft prägen?

Wir beobachten schon länger eine Entwicklung hin zu flexiblen Arbeitsmodellen und hybriden Arbeitsräumen. Nur braucht eine solche Entwicklung normalerweise mehr Zeit, weil sie mit Lernprozessen verbunden ist. Die Pandemie hat die Spielregeln abrupt verändert und den Lernprozess beschleunigt.

Innovative Raumkonzepte bieten Mitarbeitenden einen echten Mehrwert gegenüber dem Homeoffice, etwa punkto Gesundheit, Kreativität, Flexibilität und Spass.

Elisa Bensimon

Warum braucht es überhaupt noch physische Arbeitsplätze?

Erstens ist Homeoffice nicht immer für jeden möglich. Die Digitalisierung ermöglicht zwar einen virtuellen Arbeitsplatz, aber sie hütet nicht meine vierjährige Tochter. Zweitens bin ich überzeugt, dass der virtuelle Raum fürs «Thinking-out-of-the-box» nicht ideal ist. Spontane Gespräche sind oft die inspirierendsten. Dazu braucht es entsprechende Räumlichkeiten. Grundsätzlich bieten innovative Raumkonzepte Mitarbeitenden einen echten Mehrwert gegenüber dem Homeoffice, etwa punkto Gesundheit, Kreativität, Flexibilität und Spass.

Was kann ISS für Kunden bei der Umnutzung von Büroflächen leisten?

Wir können Kunden über den ganzen Zyklus einer Umnutzung unterstützen. Mit Sensoren können wir Belegungsfrequenzen berechnen und sehen, wo Flächen effizient genutzt werden und wo nicht. Dadurch wird Raum frei, um neue Nutzungskonzepte zu erarbeiten. Kaum eine Firma kennt so viele Beispiele für inspirierende und uninspirierte Räume wie wir. Ich denke, es wird in Zukunft mehr informelle Treffpunkte in Firmen geben, mehr Diversität, mehr Flexibilität, mehr laute und mehr leise Räume, mehr Emotionen. Steht das neue Nutzungskonzept, machen wir CAD-Pläne, setzen diese baulich um und übernehmen gegebenenfalls sogar den laufenden Betrieb.

Der Bereich ISS Real Estate Management Services unter der Leitung von Marcus Dolleck kümmert sich um sämtliche Fragen der Raumnutzung. Die 45 Spezialisten aus den Bereichen Immobilientreuhand, Architektur sowie Hochbau betreuen für Mandatskunden mehr als zwei Millionen Quadratmeter Fläche, erstellen Nutzungs- und Arbeitsplatzkonzepte, bereiten raumrelevante Daten grafisch auf und unterstützen beim Aus- und Umbau sowie bei Umzügen.