So sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus

So sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus

«Wir wandeln uns immer mehr zu Experience-Managern»

In der Stadt der Zukunft zerfliessen die Grenzen zwischen Wohnen und Arbeiten. Das hat auch Folgen für das Facility Management.

Dominik Dräyer, braucht es in Zukunft noch Arbeitsplätze?

Durch die Digitalisierung verliert der Arbeitsplatz seine funktionale Exklusivität – man kann von überall aus arbeiten. Von Kunden aus der Technologiebranche wissen wir, dass zeitweise bis zu 60 Prozent der Arbeitsplätze leer sind. Der Trend ist folglich: Es braucht weniger, dafür flexible Arbeitsplätze, die enorme Einsparungen ermöglichen – auch im Gebäudeunterhalt. Gleichzeitig erfährt der Arbeitsplatz eine Aufwertung, weil er immer mehr zu einem Spiegelbild der Unternehmenskultur wird, zum Differenzierungsmerkmal. Es entstehen sogenannte third places, hybride Räume, in denen sich Arbeit, Freizeit, Vernetzung, Gesundheit und Konsum vermischen. Es wird suggeriert: Wer an solchen Orten arbeitet, ist Teil einer Community, hat Spass, ist aktiv – und engagiert sich.

Was muss der Arbeitsplatz der Zukunft leisten?

Er muss positive Erlebnisse ermöglichen mit dem Ziel, das Engagement der Mitarbeitenden zu fördern. Engagierte Mitarbeitende sind kreativer, effizienter und weniger absent. Zudem leben wir in einer wissensbasierten Ökonomie, wobei es beim War for Talents nicht nur um finanzielle Anreize geht; vielmehr zeigen Studien, dass für junge Menschen softe Faktoren wie Sinnhaftigkeit, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung wichtiger werden. Auch hier kann der attraktiv gestaltete Arbeitsplatz den Unterschied machen. Mit anderen Worten: Beim Arbeitsplatz der Zukunft dreht sich alles um den Mitarbeitenden und seine Community. Das hat auch in unserer Branche zu einem Paradigmenwechsel geführt: Wir wandeln uns von Facility-Managern zu Experience-Managern. Damit wird unsere Arbeit fürs HR relevant, und wir werden frühzeitig in die Gestaltung von Arbeitsplätzen einbezogen.

Wie steht es mit Umweltthemen, die nicht erst seit den letzten Wahlen an Bedeutung gewinnen?

Sie beeinflussen die Arbeit und auch das Facility Management der Zukunft. Viele Liegenschaften unserer Key Accounts sind heute schon umweltzertifiziert, und das basiert nicht nur auf der Bausubstanz, sondern auch auf dem Gebäudeunterhalt. Das fängt an mit der Recyclingquote und hört auf mit der Regulierung der Raumtemperatur. Da sind Ideen gefragt. Am ISS Hauptsitz zum Beispiel setzen wir auf konsequente Abfalltrennung – auch von Plastik – und haben auf wiederverwendbare Trinkfla-schen umgestellt, womit wir jährlich den Verbrauch von 70'000 PET-Flaschen vermeiden. Eine immer wichtigere Rolle spielen zudem digitale Gebäudedaten: Sensoren und das Internet of Things ermöglichen Effizienzgewinne, die auch der Umwelt zugutekommen. Sie liefern die Grundlagen um etwa Luftqualität und Raumtemperatur bedarfs- und energiegerecht zu steuern.