Ein beherzter Einsatz

Ein beherzter Einsatz

Aussergewöhnlicher Einsatz im Spital Emmental

Schütze ich mich und meine Liebsten genügend gegen das Coronavirus? Diese Frage beschäftigt aktuell viele Menschen in der Schweiz. Eine davon ist Helene Jenni, die zu ungewöhnlichen Mitteln greift, um ihre ganze Kraft in den Kampf gegen das Coronavirus zu investieren.

Helene Jenni (ganz rechts) arbeitet im Spital Emmental. Seit vielen Jahren ist sie dort Gebäudeverantwortliche und leitet ein Team von elf Personen. Sie lebt unweit des Spitals mit ihrem Partner und dessen Mutter in einem Bauernhaus. Obwohl sie erst einige Jahre mit ihrem Lebensgefährten liiert ist, mussten die beiden schon verschiedene Schicksalsschläge verkraften: Es ist noch nicht lange her, da war der Gang ins Spital für Helene nicht nur berufsbedingter Natur, sondern auch privater, um ihren krebskranken Partner zu unterstützen. Helenes Partner hat den Kampf gegen den Krebs zum Glück gewonnen und lebt heute wieder zu Hause. Sein Immunsystem ist allerdings noch nicht stabil und entsprechend muss er sich schonen.

Das Risiko ist zu gross

Mit der pandemischen Entwicklung des Coronavirus hat die Wohngemeinschaft festgestellt: Helene Jenni lebt mit zwei Personen zusammen, die beide zur Risikogruppe gehören: Ihr Partner wegen seiner Erkrankung, die Mutter, mit 78 Jahren, altersbedingt. Zur selben Zeit wurde im Spital darauf hingewiesen, wie wichtig die strikte Einhaltung der Standardhygienemassnahmen ist und Helene Jenni ist sich der latenten Gefahr durch das Virus umso bewusster geworden. «Jetzt ist es wichtig, dass ich vollen Einsatz bei der Arbeit geben kann», sagt Helene Jenni, «das bedeutet auch, dass ich gesund bleibe und andere nicht gefährde – und schon gar nicht meine zwei Lieben zu Hause.»

Obschon sich Helene Jenni bewusst ist, dass das Ansteckungsrisiko im Spital bei Einhaltung der Hygienemassnahmen sehr gering ist, ist es dennoch höher, als wenn sie sich zu Hause in Selbstisolation aufhalten würde. So ist Helene Jenni kurzerhand aus ihrem Zuhause ausgezogen. Nicht unwesentlich für diesen Entschluss ist Helene Jennis vergangene Partnerschaft: Vor fünf Jahren hat sie ihren damaligen Partner an Lungenkrebs verloren. Die latente Gefahr durch einen Lungenvirus löst bei Helene deshalb ganz persönliche Erinnerungen aus und hat sie in ihrem Entschluss bestärkt. Die Frage nach der finanziellen Zusatzbelastung war für Helene Jenni dabei sekundär. Für ihre Vorgesetzten war sofort klar, dass die Kosten zu Lasten ISS fallen sollen, denn dieser aussergewöhnliche Einsatz muss belohnt werden. «Es macht mich stolz, auf Mitarbeitende wie Helene zählen zu dürfen. Es ist selbstverständlich, dass wir als Arbeitgeber in dieser persönlichen Situation auch geben und nicht nur nehmen wollen», sagt Matthias Ruoss, Regionaldirektor Bern bei ISS. Nun wohnt Helene Jenni in Gehdistanz zum Spital in einem kleinen Studio, das sogar eine kleine Terrasse bietet. «Ich bin morgens früh schon im Spital und wenn ich abends nach Hause komme, setze ich mich auf die Terrasse und rufe meinen Partner an. Wir sind nun zwei Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Als ich ausgezogen bin, hat er zu mir gesagt: Ich stelle mir einfach vor, du gehst auf Weltreise und wenn du wieder da bist, hast du viel zu erzählen und ich freue mich, dich dann wieder zu umarmen.»

Voller Einsatz im Dienst der Patienten

Helene fokussiert nun ihre ganze Kraft auf die wichtige Arbeit im Spital Emmental. «Das ist für mich selbstverständlich! In diesen Zeiten müssen wir uns alle unterstützen. Die Patienten brauchen uns. Das Spital braucht uns. Mein Team braucht mich», so Helene Jenni. Nie hätte sie ihr Team allein gelassen, um sich sicherheitshalber in Quarantäne zu begeben: «Es ist ein Traum, mit diesen Menschen zusammen zu arbeiten!»

Helene Jenni – eine Frau, die mit beherztem Einsatz und aussergewöhnlichen Ideen so viel Gutes tut und dabei so bescheiden bleibt: «Das ist doch nichts Spezielles. Es ist Teil meiner Arbeit, unsere Kunden zu unterstützen und somit am Ende alle jene, die gegen das Coronavirus in der Schweiz kämpfen.»

Spital Emmental